Fortsetzung der München-Umrundung im äußeren S-Bahn-Bereich als Winterwanderung. Ein kleiner Streifzug durch eine sich verändernde Landschaft, die einmal ein Münchner Hinterhof war und nun vielerlei Angebote zur Naturerfahrung und wohnungsnahen Freizeitgestaltung bietet.
Über fünf Jahre ist es her, dass wir von Dachau nach Lohhof gewandert sind, Zeit für eine Fortsetzung. Bislang sind wir im Uhrzeigersinn gegangen, heute einmal andersrum: so kriegen wir mehr Wintersonne ins Gesicht, außerdem war die ÖPNV-Verbindung etwas geschmeidiger. Wobei es ein eigenartiges Gefühl ist, zwischen lauter Flugtouristen zu sitzen und dann selber kurz vor dem Flughafen, im Niemandsland, wo es nichts gibt als einen großen Parkplatz, auszusteigen, nur mit einem kleinen Rucksack.




Ein kalter klarer Wintermorgen in Vordersibirien, kaum jemand sonst unterwegs. Weniger Schnee als in der Stadt, beste Gehverhältnisse. Kurze Straßenpassage, dann tauchen wir beim Gut Erching in die Isaraue ein, gehen auf dem Hochuferweg nach Süden, in aller Stille. Wären da nicht die ewig startenden Flieger, die in alle Richtungen davonschwirren. Nach etwa einer Stunde sind wir am Dietersheimer Isarsteg, 1979 errichtet für unsereiner, zu einer Zeit, als Naherholung im Aufwind war und noch kein Flughafen nebenan.

Als wir den Auwald in Richtung Dietersheim verlassen, überrascht uns ein kleines, skulpturales Gebäude neben dem Weg: die neue Kreuzwegkapelle von 2024, entstanden aus einer Initiative örtlicher Bürger, geplant von den ortsansässigen Architekten Büro 4. Leider nicht offen (wohl nur bei Veranstaltungen), aber man kann die suggestive Atmosphäre des Innenraums ahnen. Das kleine Bauwerk ist komplett aus dicken Bohlen aus unbehandeltem Douglasienholz gebaut und hat lediglich kleine rechteckige Lichtöffnungen, davon aber 51 an der Zahl. Es bildet ein schützendes, schreinartiges Gehäuse für einen Wandteppich, der 14 Kreuzwegstationen abbildet. 50 Jahre lang hing er in einer Abtei im Saarland und hat hier nun eine dauerhafte Bleibe gefunden. Sehr schöner, gelungener Ort, der ein wenig an die Kapelle Salgenreute im Bregenzerwald erinnert.
Konzept und Ort der Kreuzwegkapelle passt gut in die sich verändernde Kulturlandschaft im Münchner Norden. Nach einer Mittagsrast in der nahegelegenen Sportgaststätte gehen wir durchs Dorf westwärts in die weite Feldflur hinein in Richtung Eching. Hier ist in den letzten Jahren mittels kleiner Eingriffe und Baumpflanzungen eine schön strukturierte Ackerlandschaft entstanden, teils gehen wir an ganz neu gepflanzten Obstbaumreihen entlang. Das nun gut 30-jährige Zusammenwirken der Gemeinden Eching und Neufahrn und des Heideflächenvereins Münchener Norden bei der Umsetzung der Landschaftsplanungen scheint zu wirken, das Ideal des späten 18. Jh. einer „Landesverschönerung“ scheint wieder aufzuleben.



Die beiden uralten Naturschutzgebiete (NSG) Garchinger Heide und Echinger Lohe, die zentralen Naturschutzflächen der Gegend, streifen wir heute nur. Dort wird es v.a. im Frühjahr botanisch interessant. Am Südrand des Lohwalds finden wir allerdings direkt am Weg die Reste von Hochäckern aus dem frühen Mittelalter als sanftes Mikrorelief in der Wiese. Mittels einer alten Pflugtechnik wurde der Oberboden auf streifenförmigen Feldern zusammengetragen und auf den benachbarten Streifen allmählich abgetragen, so entstand das wellenförmige Relief aus fruchtbaren, humusreichen Äckern und mageren Weideflächen dazwischen.
Am Echinger See beobachten wir, heißen Tee trinkend, den winterlichen Badebetrieb und setzen die Tour dann fort in Richtung Mallertshofer Holz, ein großer Kiefernwald, früher einmal Truppenübungsplatz, jetzt das jüngste NSG der Gegend und ebenfalls eng mit dem Engagement des Heideflächenverines verknüpft. Am Hollerner See, eine ehemalige Kiesgrube und heute beliebtes Freizeitgebiet, haben sich dann auf einmal alle Spaziergänger der Umgebung eingefunden und drehen ihre Seerunde. Entstanden 2009 bis 2021 in mehreren Bauabschnitten, insgesamt 90 ha groß mit Badestränden v.a. am Nordufer und zahlreichen Buchten und Steilufern in den naturnäheren Bereichen am Südufer. Interessant gestaltetes Gelände, das vom Erholungsflächenverein betreut wird.
Von hier ist es nicht mehr weit zum S-Bahnhof in Lohhof, den wir in der nun wieder sehr tief stehenden Sonne erreichen. Reine Gehzeit 4 h. Die anderen Touren der München-Umrundung gibt’s in der Komoot-Collection München rundumadum
