Landry > Refuge de Rosuel (MT 71)

Wanderung auf dem GR 5 durch das Vallèe du Ponturin. Landry hat einen Bahnhof und ist idealer Startpunkt. Das Refuge de Rosuel liegt am Eingang des Nationalparks Vanoise, ein beliebtes Ausflugsziel mit Dokumentationszentrum zum Park. Versorgung unterwegs in Peisy. Reine Gehzeit 4 h, Schwierigkeit T2 s. Tourdetails.

Nach acht Jahren den Faden wiederaufnehmen, weitergehen auf unserem Weg durch die Alpen. Zuletzt waren wir ins Tal der Isère abgestiegen, nun sind wir gestern nach zwölfstündiger Zugfahrt hier angekommen und haben dann in einem Wohnwagen genächtigt. Das sollen für die nächsten Tage die letzten Räder unter unseren Hintern gewesen sein, jetzt kommt es auf gute Beine an. Wir haben uns ein französisches Alpen-Menü mit zehn Gängen zurechtgelegt, in überschaubaren Portionen, sollte gut verträglich sein, nur die Wetterlage ist etwas unsicher. Los geht es, wie es sich gehört, mit einem Amuse-gueule, dem Zustieg vom Talboden der Isère ins Vallée du Ponturin zur ersten Hütte, gut 900 hm zum Eingrooven und wieder an den Rucksack Gewöhnen.

Der Camping Canopee nahe der Dorfmitte ist ein sympathischer Ort, genau richtig, um in den Reisemodus umzuschalten. Der Food-Truck mit Gartenterrasse ist ein gelungenes Provisorium während der umfangreichen Sanierungsarbeiten der jungen Betreiber, versorgt uns bestens abends und morgens, gleich neben unserer „Roulotte“. Nicht weit gibt es an der Dorfstraße eine Epicerie, dort nehmen wir noch ein Brot mit und ziehen dann bergwärts, erst noch bei der hoch am Hang thronenden Dorfkirche vorbei, die auf einem kleinen Geländevorsprung liegt, mit schöner Aussicht in die Tarentaise und auf den Hang unseres letzten Abstiegs oberhalb von Aime. 

Dann steigen wir bergwärts, auf altem schmalen, teils steilen Pfad, meist im Wald, immer wieder ein Sträßchen querend. Auf einer Lichtung liegt wunderschön und mit weiter Aussicht das Anwesen Les Côtes. Bei le Villaret unterlaufen wir den Irrsinn: der alte Dorfkern besteht aus ein paar schönen alten, dicht am Hang zusammengedrängten Häuser, darüber spannt sich das Drahtseil des Vanoise Express. Die doppelstöckige Gondelbahn ist angeblich die weltweit größte, schnellste und verbindet horizontal die beiden riesigen Skigebiete von La Plagne und Les Arcs, die beiderseits des Tals die Höhen in Besitz genommen haben. Doch außer diesen Seilen und ein paar Häusern sieht man von hier unten so gut wie nichts von dieser banalen Parallelwelt. Lediglich den Hangrutsch genau unterhalb der westseitigen Seilbahnstation könnte man als Menetekel lesen, deshalb wurde die alte Route des GR5 dort aufgegeben. 

Friedhof von Sainte Trinité, Peisy. Foto: Christoph Bücheler

Das alte Dorf Peisy scheint ein im Sommer entspannter kleiner Ferienort zu sein. Eine kurios anmutende alte Seilbahn transportiert die Fahrgäste in offenen Gitterkörben stehend hinauf in die gut 250 m höher gelegene Touristenwelt. Die Kirche Sainte Trinité (17. Jh.) ist steil an den Hang gebaut, wehrhaft, in mehreren Etagen, mit dem höchsten Glockenturm der Tarentaise, umgeben von einem alten Friedhof mit integriertem Kreuzweg. In einem Winkel neben dem Treppenaufgang plätschert eine Quelle. Bei Moulin kommen wir an der Kapelle Sainte Agathe (1449) vorbei, der ältesten im Tal, direkt gelegen am alten Säumerpfad: einst lebte die Bergbevölkerung hier weitgehend autark, das einzig lebenswichtige Gut, das „importiert“ werden musste, war Salz. Die GR-Route folgt hier gelegentlich dem alten Salzpfad, was man nicht zuletzt an den meist angenehmen Steigungen merkt. 

Weiter talaufwärts gäbe es die Möglichkeit, das weitläufige Gelände der ehemaligen Blei- und Silbermine zu erkunden, die vom 17. bis weit ins 19. Jh. große Bedeutung hatte und von der noch zahlreiche Gebäude und Stollen zeugen. Unser Blick richtet sich jedoch auf die Berge, dort zieht es uns hin. Die kleine Höhensiedlung Beaupraz liegt im namensgebenden schönen, weiträumigen Wiesengrund, von dort aus kann man Eselswanderungen unternehmen, ein in den französischen Bergen beliebter Ferienspaß. Wir schauen und hören eine Weile zu, wie ein kleiner Ausritt mit den Kindern akribisch vorbereitet und mit vielerlei Instruktionen versehen wird: scheint eine komplizierte Angelegenheit zu sein. Da gehen wir lieber zu Fuß weiter und tragen unsere Rucksäcke selber. 

Es ist nicht mehr weit zum Refuge de Rosuel, dem heutigen Etappenziel. Raffiniert gebaut unter dem gerundeten Grasdach, man sieht dem Gebäude die drei Etagen von außen kaum an. Unten das kleine Informationszentrum zum Nationalpark Vanoise, dem ältesten in Frankreich. Darüber die Hütte mit einladender Terrasse, wo wir uns erstmals den derzeit angesagten Apéritif gönnen: Monaco! Ein Radler mit einem Schuss Grenadinesirup: schmeckt. Und wir treffen zwei Wanderer wieder, die bereits mit uns im Zug angereist waren, GR5-Wanderer aus Kanada, dazu noch andere Weitwanderer am langen Tisch beim Abendessen, gestaltet sich also unterhaltsam. Wenn nur die sonstige Hüttenatmosphäre etwas weniger ruppig wäre. Liegt vielleicht auch daran, dass die Hütte mit dem Auto erreichbar ist, mit riesigem Parkplatz nicht weit davon und entsprechendem Besucheraufkommen tagsüber. Aber das sind Kleinigkeiten, über die wir hinwegsehen. Morgen geht es erst richtig los. 

Tourdetails

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