Bei einer gerne ausgeübten Tätigkeit, z.B. dem Fliegenfischen, sei die Tätigkeit das eigentliche Ziel, nicht ihr eventuelles Ergebnis. Es gehe um die Perfektionierung der Methode und irgendwann werde die Methode zum Stil. Stil wiederum sei etwas für alte Männer. Schrieb Castle Freeman 1988, da war er selber noch recht frisch. Mit diesen Gedanken war ich ein knappes Stündchen unterwegs, um die Leidenschaft meines Alters zu kultivieren (und das Bewegungsminimum zwischen Büroterminen zu absolvieren).



Die wahre Kunst des Gehens bestehe im absichtslosen Gehen. Unbeschwert, offen, aufmerksam – und ohne digitale Ablenkungen. So heißt es in dem lesenswerten Beitrag The Art of Walking (Without Distracting Devices):
„Wenn wir uns der Kunst des Gehens hingeben, existieren wir ganz im Moment, ohne Grund oder Zweck, außer dem der Erfahrung selbst, Schönheit wahrzunehmen und wertzuschätzen. Dieses Ereignis hat keinen Zweck, nur die unermessliche Wirkung, die es auf unsere Nerven, unseren Körper, unser Wesen hat.“
Zu Corona-Zeiten sagte Katja Riemann einmal, ihr Trick sei „durchlässig zu sein, zu bleiben, zu werden, um dort in Kontakt zu gehen, wo es möglich ist.“ Gilt immer noch und das kann man auch auf einem kurzen Stadtspaziergang zelebrieren, ganz Auge und Ohr, ein paar lose Gedanken, mehr nicht. Allerdings begleiten sie mich schon lange, seit ich mich dem Gehen wieder aktiv zugewandt habe. Hilfreich war dabei ein Beitrag von Arianna Huffington von 2013, ein guter Einstieg. Seitdem sind vielerlei Studien erschienen, die allesamt das Gehen als die letztlich wertvollste Fortbewegungsart identifiziert haben. Die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, bleibt weiterhin Privatsache.
